ich verstehe mich und ich sehe mich als reisende-schöngeist

wir verstanden und sahen uns

wir verstanden und sahen uns als reisende. wahrnehmende, fühlende, anmutig liebende, wandernde, gehende, schauende und mitfühlende wesen. wir. freunde der zeit in dessen gegenwart zu verweilen uns empfänglich und sichtbar für die augen des „fremden“ des „anderen“ uns genauso erscheinen liess, wie wir uns auch selbst gesehen haben .
mit der zeit zu sein lebte sich leicht, er war mir sehr nahe. ja, richtig. er nicht sie. irgendwie mochte ich mir gerne sagen, die zeit eine männliche form habe. warscheinlich weil ich mich so sehr nach einem mann sehnte, nach meinem mann. wir waren gleich, und uns verband mehr als das uns je von einander hätte in distanz sein gehen lassen. dem unfassbarem sichtbares, unaussprechbarem hörbares, unhörbarem spürbares. all dem ein ausdruck zu verleihen, stimmte mit der, die in resonanz mit allem war und sein mochte und erzeugte so auch keine vakanz, einfach nur mehr toleranz. wenn es eine schule des humors gäbe, würde ich ne weile gerne dort verweilen, um eindrücke zu sammeln. das wäre ein ort wo man zauberkünste erfahren würde und wo einem das lachen, das man auf den lippen tragen würde, nur selten vergehen würde. wirklich nur dann wenn es notwendig gewesen wäre. doch was heisst das schon, notwendig.

warscheinlich hat sie recht, die gute frau gretchen. schöner name, selten, exotisch und irgendwie auch niedlich. noch nie gehört. gretchen. wer die eigenen gedanken notiert, lebe gelassener. dabei kommt es nicht auf die menge drauf an, sondern auf die regelmässigkeit. hm, regelmässigkeit. 
es reicht vielleicht, jeden tag einen gedanken – zum beispiel in einem notizbuch – schriftlich zu fixieren. zeitnahe merkte ich, wie mir diese form von schreiben immer mehr eine ressource war und aber auch gleichzeitig mir den raum zur entfaltung bot um mich mit meinen gefühlen, mit meiner wahrnehmung, mit meiner inneren welt zu befassen. hier kann ich meiner phantasie doch freien lauf geben lassen und als ich sie um hilfe bat war sie plötzlich nicht mehr da. 
phantasia, phantasia wo bist du, rief ich. doch sie war schon weit weg. sie gehörte nicht mir. niemand konnte sie haben. ich konnte sie nicht nur für mich beanspruchen. sie hörte nicht und hielt sich bei einem nur so lange auf, solange sie das gefühl hatte dort man sie auch fühlen möchte. sobald sie jedoch das gefühl hatte, der mit phantasie auserwählte, mit ihr habe nichts anfangen können, machte sie sich davon. so war sie eben. die phantasie kannte keine grenzen, sie breitete sich aus wie eine überwältigende kaskade an polarlichtern, die das universum mensch mit ihrer erscheinung in staunen zu verzaubern, in der lage gewesen ist.

ich sitze im zimmer und warte auf gäste. vier leute aus riga besuchen uns heute. sie werden nicht lange bleiben. zwei tage. zwei nächte. ich hatte mir darüber noch keine gedanken gemacht, doch das graue, die dichte, der am himmel vorbeiziehenden wolken, die stimmung lud mich dazu ein, mir einen gemütlichen tee zuzubereiten, den ich im raum für schöne träume und bei einem dickem buch genoß. der blick fiel nach aussen. die grünen zweige der blätter zitterten. war ihnen kalt? möglich nicht, doch das zittern der blätter erinnerte mich an irgendwie gerade nichts. ich brauchte auch nicht zu allem möglichen auf der welt gleich eine assoziation entwickeln, dachte ich mir und so liess ich das interpretieren wieder los. 
aus dem zimmer nebenan hörte ich: „ich bin auf level 5“, bartek spielte gerade ein spiel und die katzen hatten bis zum späterem nachmittag auf dem gelben kissen im wohnzimmer gelegen und gedüst. so ein katzenleben ist bestimmt schön doch tauschen wollte ich mit ihnen nicht. ich war zufrieden.

was wäre der mensch ohne seine fragen, ohne das ständige hinterfragen der dinge und dessen was da sei. warscheinlich wäre der mensch endlich anwesend, mit sich glücklich, zufrieden und im frieden. 
immer und immer wieder stellte ich fest, die eigenschaft „neugierig“ auf mich einen sehr sympathischen eindruck machte. eine freundin machte sich gerade auf den weg nach portugal auf. sie fuhr mit ihrer familie und ein paar anderen freunden dahin, um am meer, den faden des windes einzufangen. sie war wie eine löwin und in einer der parallel welten auf dem sozialem sektor tätig, eine mutter die in meeres rauschen ihr augenlicht weiten, sich den wellen hingebend ihre vor leidenschaft glühende ader dem wind , dem meer, dem sand unter ihren füssen anvertrauen mochte.

ein hellsichtiges und zugleich leidenscheftliches verhältniss entwickelte sich im garten des labirynth. das wesen, wie ein komet aus jade durch die geschichte stürmt, das zentrum des lebens berührt. sie war ganz euphorisch und nutzte die synergie um einige ideen vollkommen sein zu lassen. die dunkelheit kehrte die medallie um und liess das helle licht , welches stets die augen erfreute hinter die himmelsrichtungen erscheinende wolken und irgendwie war mir plötzlich alles so klar, so gleichzeitig wirklich und unwirklich, inmateriell. meine seele erkundete das universum. vom weltall aus sah das ganze schon etwas anders aus als dies der umgekehrte zustand erlaubte. von der musik und seiner stimme angezogen, begab ich mich in der schwärzesten schwärze der nacht zu einer städte wo das nichts weniger kleine rolle spielte, als die verschiedene möglichkeiten der betrachtung eines objektes, welches eine so glatte identität aufweiste, wie die wände einer mit tadelakt frisch gestrichenen wand. sie glänzte und schimmerte im licht des mondes. meine hand berührte die oberfläche doch sie atmete, sie war lebendig, organisch, durchlässig doch nicht undicht. eine fläche voller erinnerungen. schönen erinnerungen. ich erahnte eine glaswand, sie war voller knochen, die den zwischenraum füllten. dies war kein kino und auch keine ausstellung, dies war eine säule der ahnen, dessen reste nicht im winde verweht wurden, ein ort wo wir haben hingehen können um ihnen zu gedenken. wozu? na wegen der identität, antwortete wer. ich verliess die räume und wünschte das allein sein, mein körper spürend, atmend, mich selbst wahrnehmend. kurz suchte in dort noch nach dingen die mich hätten von dir unterscheiden können und ich fand unter meinen geschlossenen augen einen platz, dort war ein ort wo ich noch allein für mich ohne zuschauer, ohne publikum, ohne gaffer sein konnte. niemand mehr sah mich an. eine stille die mich berührte, mich umhüllte und mir wie eine schwester war. eine schwester ich sie nie hatte. ich hatte brüder und schwestern aber eine schwester, die für mich da war, so eine hatte ich bis dahin nicht. sie war mir sehr nahe. verdammt nahe. meine kehle brannte 
und
ich liebte sie. sie sandte mir ihre grüße und lieben worte. jeden tag. immer und immer wieder und ich habe sie empfangen. so schön, so klar., so lebensnah. sternenklarer himmel und wir waren hier, zusammen ohne jeglichen gewimmel . was auch dabei war, war einfach nur das licht. das begleitete uns. eine laterne. die mücken beklagten sich, ich würde zu wenig lichtquellen im haus aufgestellt haben. die motten waren unglücklich und die spinnen blieben oben auf der decke hängen. sie hatten phobie gegen menschen entwickelt, hatten sie mir später erzählt und wunderten sich ständig die menschenkinder so sehr bei ihrem anblick zum aufschrei bereit waren. die kleinen erlöserinen. wenn euch nicht wäre, wäre die welt einfach nur noch staub, dachte ich mir. das die begegnung mit einer spinne, die gemütlich unter der decke, ganz oben für sich allein lebt, solche reaktionen hervorrufen im stande war. ein schrei aus der kehle eines anderen wesens, welches so groß war wie ein baum, wenn man so als spinne die welt betrachtete. ich spinne, ich baum, ich universum doch dies waren nur die internen ausflüge ich machte, um des frieden willens wohl bemerkt. ich war nicht feige. und der nacht schlich ich mich aus dem körper heraus und kehrte am morgengrauen wieder zurück in den selben körper wieder daheim. sie störte das nicht, denn sie tief und fest schlief und ich konnte so ganz heimlich die welt da draussen erkunden und nachts, war es am schönsten, denn dann war die kollektive suppe nicht mehr am kochen, es waren sehr entspannende streifzüge in ein universum voller abenteuer und erleuchteter wendungen. mein kopf fühlte sich wie ein babybrei an. dadrin war kein gehirn mehr, zu mindest nicht mehr so wie man es aus dem fernseher oder werbung her kannte. das war keine graue mase mehr, die aus zwei hälften bestand, dies fühlte sich nach einer leicht klebrigen substanz, die wie rote , grüne oder gelbe götterspeise ganz von selbst wackelte, wenn ich meine haare von a nach b und manchmal von f bis xy schüttelte und den kopf so langsam in kreisen drehte. es waren immer acht. man hatte ich glück. ich hatte ja noch milionen von haare auf dem kopf und sie waren so dick und dicht beieinander, dass sie zu zählen eine mannschaft an freiwilligen affen bräuchte, affen mochten es am liebsten machen, so kopfkraueln und haare zählen, aber keine paviane, denn die zeigten uns bei einem besuch im zoo nur ihre rosa gepanzerte, mit super hartem gewebe eingeschlossene pobacken. und das voll ins gesicht. pfui pfui.

schon mehrmals wünschte ich mir eine absolute stille wahrnehmen zu können, doch in dieser welt hier schien dies nicht wahr zu sein. autos, lärm, geräusche. selbst die natur, die elemente, alles war hörbar, wahrnehmbar. der ständige kontakt mit den reizen, konnte nur durch den schlaf unterbrochen werden. wenn ich schlief, das war wie in eine andere dimension hinüberzugleiten. dort war oft sehr bunt und manchmal traff ich mich dort mit meinen freunden, meiner familie. und alles einfach leiser stellen, das ging nicht und selbst wenn das möglich gewesen wäre, würde ich davon was wahrnehmen können? in der stille bin ich geborgen, wie im schoss einer mutter, mutter welche ihre wärme meinen körper umhüllt, ihre liebe lächeln hervorruft. schweben, lieben, lachen, spass, waren besonderheiten, die das gute des menschlichen seins in eine leichtfüssige form des wirkens hätten verzaubern können. doch ich hielt davon wenig einen einfluss auf andere wesenheiten nehmen zu wollen. dies erzeugte spannungen, und wenn meine muskulatur sich anspannte, fühlte ich den schmerz, der meinen körper belästigen wollte.

bürdete der geist der ahnen mir ein päckchen auf, das ich nicht im stande war allein zu tragen? und war ich überhaupt bereit das erbe anzunehmen oder war mein weg ein anderer? mir war die verantwortung nicht fern und die verpflichtung machte mir nichts aus und ich spürte, wenn ich ja sagen würde, würde ich ja gesagt haben. ich war nicht wie sie doch auch eine, die die bereitschaft nicht scheute, die freundschaft nicht leugnete. was mich zu dieser zeit sehr interessierte war die identität. so global gesehen. hatte identität etwas mit identisch sein gemeinsam? ich besorgte mir literatur und studierte vielerei erklärungen, die andere personen bereits vor mir vermutet haben, die sich wohl ähnliche fragen stellten, wie sie mir immer wieder durch den sinn krabbelten. die schöpfung war so unvergleichbar schön, ich mich immer wieder in sie verlieben konnte. eine wand aus mais stellte ich mir vor, eine reihe nebeneinander allein stehender maiskolben, welche mit dem duft der edelwicke durchwoben gewesen wären. an dem mais ankernde und hoch kletternde blumen, die wie ein natürliches raum den halt und schatten ihren kleineren brudern und schwestern, den dahinter stehenden pflanzarten, hätte in zeiten wo die sonne zu stark wurde, eine rast sein können. für die vögel waren bäume und äste wie für uns menschen bänke und stühle. sitzgelegenheiten. mein blick richtete sich nach aussenhin und ich stellte mir solch eine „mauer“ für den darauffolgenden frühling vor. vielleicht dann auch nicht mehr hier. hier war es schön doch bleiben möchte ich hier nicht. zu viele menschen, zu viele unersätlich neugierige in meinen privatraum eindringende blicke, die ich habe nicht immer erwidern wollen. wenn ich auf der terasse sas, gab es nur die möglichkeit der flucht nach innen sobald ich hörte, die nachbarin wieder um die ecke kommt. nicht immer hatte ich lust in interaktion zu gehen, ihr antworten zu geben oder auf fragen zu reagieren. ich mochte die beiden älteren leute schon, konnte jedoch schlecht die balance finden. ich wollte dort allein sein und konnte es nicht. auch die im märz neu zugezogene familie war alles andere als friedensliebend. das haus hatte sehr dünne wände und seit wochen fühlte ich mich auch von den lauten stimmen der jungen familie immer wieder aus den nächtlichen träumen wie auseinandergerissen. in aller regelmässigkeit war das sexleben dieser menschen in meine ohren eingedrungen und das wollte ich nicht immer gerne hören. vielleicht gehört das hier nicht hin. vielleicht ist das unhöflich. es tut mir sehr leid. eines tages schrieb ich ihnen einen kurzen brief, sie darum bittend ihre aktivitäten dann zu betreiben wo wir nicht unbedingt in der nachtruhe alles von dem familienleben so mitbekommen. die information war frisch und die letzten nächte hatte ich tief und fest geschlafen, so dass die stimme der frau nur etwas gedämpft zu hören war. warscheinlich hatten sie das fenster jetzt nicht mehr so weit offen, dass die gesamte nachbarschaft ihre stimmen zu hören bekommt, denn einige tage darauf wurde alles etwas ruhiger. sie war erkältet. ich machte für sie einen sirup nach dem rezept meiner oma. zwiebel klein geschnitten in ein weckglas hinein und brauner urzucker oben drüber, warten bis sich der saft gebildet hat und dann davon so viel trinken wie es einem schmeckt. das hat gewirkt. der husten liess komplett nach und meine geliebte ruhe hatte mich wieder.

„ein typischer haushalt um 1900 umfasste 400 gegenstände: heute umgeben uns 10000 dinge. ein pendler sieht auf dem weg zur arbeit mehr zeitgenossen als ein mensch im mittelalter in seinem ganzen leben.“ werner bartens

wieder verkürzte sich die muskulatur meines nackens um einiges, so dass ich nach dem aufstehen wie jeden morgen, mich erneut bemühte, meinem körper die volle weite anzubieten, in der hoffnung mich dieser für den rest des tages in frieden sein lässt und ich ausser der konzentration auf die belange meiner körperlichen verfassung, mich auch anderen mir wichtigen aktivitäten hätte hingeben können. holunderbeeren waren reif und ich spürte den wunsch herauszugehen und ein eimer voll dieser köstlichen frucht von unterwegs, mit nach hause zu bringen und einen super leckeren und vitaminreichen saft daraus zu machen. holunder war eine meiner lieblingspflanzen und sie schenkte mir auch einiges an ihrem wissen und ihrer weisheit, die ich dankend empfangen in der lage war. doch der plan ging nicht auf, wie so oft wenn ich mir etwas vornehmen wollte. der holunder war noch nicht ganz reif und so ging ich stattdessen auf eine heidelbeerplantage um für meinen sohn und mich heidelbeeren zu pflücken.

der profane alltag und das leben zeigten sich, wie sie uns erschienen. mal stürmisch, mal flatternd, mal lauter, mal leiser, mal mystisch, mal unbedeutsam. auf so unterschiedliche weise versuchte der wind im kontakt mit mir zu sein, ich ihm immer wieder die möglichkeiten öffnete, ihm die verzauberte lösung zeigend . ich mochte es sehr, wie er mit mir den umgang pflegte. der wind und seine so unsichtbare doch wirksame präsenz. der hauch, sein atem. mich wunderte kaum noch was und wenn, fühlte sich dies wie das lächeln eines kindes an, welches eine unbeschwerte kindheit genoss. 
als ich morgens zur toilette ging erblickte ich ein kleines wesen, das den flur entlag herumhüpfte. dies war nicht ungewöhnlich, die tiere sich mal einen grashüpfer, eine maus oder andere geschöpfe von ihren nächtlichen eskapaden mitgebracht haben, um sie dann in einer gemeinschaft zu verspeisen, nur diesmal war dort ein lebewesen, welches wir als frosch erkannt hatten. ein frosch, hurra. ich ging zur küche, nahm ein lappen und noch in einem etwas verwirrtem zustand legte ich behutsam dieses stück stoff über das tier, sammelte es auf und begleitete es nach aussen, ihn im garten auf dem nassen rasen legend. die katzen schauten mich verwundert an, doch keine von ihnen hatte vor diesem frosch weh zu tun, nur wie er in die räume hineingelagt ist, hmm, vielleicht konnte er besonders weite sprünge machen. gestern war hier eine libelle zur besuch. und von morgens bis abends besuchten mich auch die in der nähe wohnende vögel und einen von ihnen beobachtete ich heute morgen beim frühstücken wie er von einem ast auf den nächsten, in die krone des baumes hüpft …

herzlich willkommen