von der frau ohne zukunft, und plötzlich war alles klar

von der frau ohne zukunft, 
und plötzlich war alles klar

hier und jetzt glaubte sie an sich selbst und das reichte ihr vollkommen um die klarste antwort auf die fragen, die es gar nicht gegeben hat, doch zu erhören. sie hörte sich selbst zu, ihr gehör wurde gläsernd, wie eine scheibe durch die man den regen tropfen hören konnte und sie war sich der sache sicher. sie wusste ihre träume zu entschlüsseln, sie zu nutzen, sie waren ihr wichtig und sie hatten die heilsamste wirkung auf das leben selbst. nicht nur ihr eigenes, auf das leben vieler.
das leben war nicht das problem, das leben liebte jeden. das leben sprüdelte voll leidenschaft und lust, geborgenheit, weite und frieden und ann erinnerte sich, sie erinnerte genau und manchmal in details, sie erinnerte geschehnisse, denn ihre fähigkeit verborgenes zum licht zu führen verblüffte sie von mal zu mal gnadenlos, sie stand und staunte.

anns magen brodelte und brummte und draussen regnete es. sie liebte es sich diesem zustand hinzugeben, einem zustand der schwerelosigkeit, der unvoreigenommenheit, der unverfälschtheit wie wenn die sonne am horizont aufginge und die bäume vor diesem hintergrund behütet in die höhe wachsen konnten.
sie fühlte sich ausgegliechen und dynamisch, zur aktionen bereit. für die liebe, für die vielfalt, für die freundschaft!
sie war eine frau der tat und gleichzeitig eine frau der muße. sie liebte das tun wie das nichts tun und sie spürte die zwischenträume jetzt geniessen zu können. ann fühlte sich wie eine tänzerin ohne je im tanzstudio gewesen zu sein. ihre schlanke figur verdankte sie wohl den auf sie übertragenen gene, die ihr von ihren biologischen eltern verliehen wurden. sie fühlte sich innerlich schön und auch äusserlich mochte sie sich gern leiden.

meine geschichte war eine vom optimismus, liebe, magie, vetrauen und mut und voller leidenschaft getränkt. ich war mein zeuge. ich führte ein selbstbestimmtes leben und ging einen weg das ich mein herzensweg genannt habe. ich nannte ihn so selbst, eben weil ich selbst entscheiden konnte. ich entwickelte die fähigkeit auf die nuancen und die gefühle, die sprache meines herzens und der gefühle anderer zu achten, ihnen wirklich zu zuhören, sie wahrzunehmen, sie zu erkennen, ihnen aufmerksamkeit zu geben und dies bewahrte mich vor der flucht, der unruhe, von der so viele von uns, hier auf der erde lebenden, berührt worden waren. ich vertraute und ich hatte wurzeln und flüggel und ich ahnte mehr als ich es mir je hätte mercken können. das auswendig lernen war noch nie meine stärke. ich nahm nur das auf, was für mich wichtig war und das was meinem wohl schaden könnte, erkannte mein wächter, mein partner, mein organismus sofort, mich beschützend, das giftige abwährend.

„hast du eine freundin“ fragte sie, doch er antwortete nicht. die frische luft verwob sich mit der dunkelheit, ihre augen waren geöffnet und ein kleines licht brannte.
ich steckte mir die finger in die ohren um ihnen nicht zuzuhören. die leute, sie ständig im hintergrund am hin und her den gepflasterten weg rauf und runter gingen, sie waren schon lange hier doch ich mochte ihren gesprächen nicht folgen. dies war schon der zweite oder dritte winter ich nichts mehr von einem meiner freunde hörte und so langsam machte ich mir sorgen ob er noch überhaupt am leben war.
„nichts mehr macht mir freude“ sagte ich und schaute mich im raum um. ich sah bücher, unzählige bücher, die dadrauf warteten gelesen zu werden und ich machte mir eine blaue thermoskanne tee. kein pfefferminz, ein salbei-pfeferminz mix. ich schaute aus dem fenster und sah die blätter des nahe gelegenen waldes zum boden fallen, den kleinen garten davor. ich sollte mir nichts wünschen, das machen zauberinen nicht, hat man mir in der zauberschule erzählt, doch heimlich fing ich den gedanken auf und der war wie folgt: „so wie hier nur woanders, grüne wiese, wald, ein horizont voller blau“.
ich träumte und erinnerte, erinnerte und träumte.
die blätter tanzten, ich hörte sie rascheln. ich wusste, wir träumen zusammen und ich staunte, mich immer wieder fragend, wie das nun möglich sei, und ich spürte wir waren wach und du sagtest: „ich bin bei dir“. ich schloss meine augen dann öffnete ich sie wieder ganz schnell um mich in der tiefe meiner gefühle nicht mehr so intensiv zu verstecken. alles machte einen sinn und nichts war mehr seltsam oder komisch. „wenn frauen zu doll lieben dann weinen sie“, ich weinte. der schmerz das war eine einbildung, fatamorgana, ein phantom. er existierte nicht und doch spürte mein körper-ich und all das verschwand und ich fühlte mich endlich befreit.

„was machst du da“, sagte er. er sah mich an und ich nahm mich wahr und spürte wie ich hin und her schaukelte. ich sass auf einem sofa und der korpus bewegte sich, hin und her, von hier nach da, der atem kehrte wieder zurück, er war in den füssen und ich nahm ihn nur wenig wahr und dann spürte ich in meinem unteren rücken und spürte den knochen, der den wirbelkanal ausmachte und die prägung sich des sich nach aussen wölbendes etwases was sich wie ein fremdkörper anfühlte. meine zunge inspizierte die zähne. erst die oberen dann die unteren und dort war ein dünner film dadrauf zu spüren. nichts dramatisches, einfach nur eine rauhe oberfläche und das nicht überall, nur stellenweise. ich lächelte und nahm einen tiefen atemzug.

„wie fühlt sich freude an“ sagte ann in richtung des freien geistes der sie manches mal aufsuchte „oh, das wirst du schon spüren, meine liebe, das wirst du schon spüren“ sagte er mit aufbauender stimme und als er das sagte, entspannte sie sich zu selben zeit.

manchmal, manchmal da ging alles so schnell und dann ging wieder alles seinen gewohnten gang. ich muss den verstand unterwegs verloren haben, ich verstand alles und nichts und ich wartete, denn ich wusste nicht was ich hätte sonst noch mit meiner zeit anfangen können.
ich weiss nicht wie sie das machten, die anderen. ich hatte keine ziele und wollte auch keine haben. ich habe bereits alle ziele erreicht, hatte ich je welche gehabt. ich war hier und ich hatte zeit, jede menge zeit, unendlich viel zeit. nur was fange ich damit an, darüber sinnte ich bereits das zweite jahr in folge nach. nein, nein, nein, ich bin nicht mehr allein. das allein sein machte mir noch nie was aus und von mir zu schreiben fühlt sich gerade unglaublich uninteressant an, keine ahnung warum, warscheinlich weil ich die geschichten anderer leute viel interessanter empfunden habe. auf eigene geschichte hatte ich scheinbar verzichtet, sonst wäre ich nicht so bescheiden geworden, wie ich geworden bin. bescheiden, ehrlich und verträumt das würde ich über mich sagen ich mich mit eigenschaften hätte schmücken wollen. idealistisch wäre auch noch so ein wort mir einfiel obwohl ich keinen idealen nachhing und ich, ich hatte mich lieb und das sollte doch genügen.

ich spürte ich mag schreiben und lesen, ich liebte es zu lesen und wollte unbedingt selber schreiben, was nicht im konflikt zu einander stand doch irgendwie hing ja alles zusammen. dieses haus, das gebäude aus stein und mauern das ich bewohnte. ich war hier nicht allein. nie waren wir wirklich allein, es war immer jemand zu hören. manchmal da blendete mein bewusstsein vieles aus und dann kamen die dinge die mir nicht so passten doch immer wieder zum vorschein und auch wenn ich meine lage so manches mal als katastrophal angesehen habe, war dies nur ein teil der realität die es zu erkunden gegeben hat. wir hatten nicht viel geld und das war machmal ein problem zumal ich nicht immer dadran dachte den tipp an der lotterie abzugeben. manchmal samstags, da dachte ich dadran und vielleicht waren fragen wie warum oder weshalb falsch, ich sie mir zu bestimmten situationen stellte, vielleicht war mein denken kaum zukunftsorientiert sondern gegenwartsverankert, so erschien mir nichts, kein bild, keine idee die ich mir hätte ausmalen können und wo ich hätte sagen können: „ja, so will ich das es werde!“ natürlich wollte ich meine lebensumstände weiterhin auf einem gesunden level halten und so radikale umstrukturierung nicht mehr so gerne zulassen und dies war womöglich keine so gute strategie ich sie in meinen visionen pflegte, ich widmete meine aufmerksamkeit dem was war und konzentrierte mich auf das wesentliche. das wesentliche bestand aus einfachen tatsachen und tätigkeiten die mich mit mir in stetem kontakt haben meinen frieden spüren lassen. essen, trinken, schlafen, auf klo gehen.
ich war ein freier mensch und allein sehr glücklich, manches mal glückseelig und die natur mit dem dadrin lebendem geist bestärkte mich in meinem tun oder nichts tun. so einfach war das leben das ich führte und das war ok sich an einen baum anzulehnen, ich brauchte nicht stets die aufrechte form zu halten, die dem modernem menschen sowieso quer im magen lag.

sie wachte an meiner seite als ich erwachte und die träume ich träumte, diese zu beschreiben fiel mir so nicht sehr leicht. manchmal waren dies geistesblitzartige gedanken in die ich aus der traumzeit erworbene erkenntnisse mit in die „normale“ welt, in den alltag mitgenommen habe. so auch die erinnerung des gefühlserlebens aufrecht zu erhalten an bedeutsamkeit gewann und in meinem leben eine zentrale stellung gewonnen hatte. wie als ob eine stromleitung und blitze durch mich hindurchjagen, spürte ich diese in meinen kopf aufsteigend, was war los in der traumzeit? schon früher waren meine träume nicht alle von abenteuerlust geprägt. in meinem unterbewusstsein spielten sich scenen und handlungen ab die mich sehr neugierig stimmten und die mir auch etwas von mir und meiner unterwelt verraten konnten. aus ihnen konnte ich schöpfen, das war bestimmt der plan, von dem ich schon so oft gehört habe.

„vielleicht wollen sie das ich schreibe, vielleicht wollen sie mich in der kunst der gedanken lesens unterstützen“ ein geist erfüllte den raum und mein gespür gab mir den impuls, dass dies bestimmt die wahrheit ans licht führen würde. es ging nicht um meine persönlich gefärbte wahrheit, sondern die wahrheit des bewussten oder des bewusstseins jedoch nicht des kollektiven. der kosmos und ich, eine unsichtbare welt, die sich in fühlbares wandelte. aus der ambivalenz der essenzen, entstehen die worte sie geschrieben ob gesprochen werden wollen. eine klare verbindung zur universeller bibliothek war mir gegeben. ich hatte nichts gegen die leute in diesem land, die menschen dieser kultur waren wie sie waren nur was mich manchmal etwas verwunderte war die erkenntnis, das optimismus keine so gerne gefühlte gegenwart des im nordischen raum lebenden menschen war.  mir sehnte es sich nach einer gemeinschaft mehrerer, nicht unbedeutsam zu einander im wiederspruch stehender gefühle.

alles fühlt sich wieder an als ob ich gar nicht geschlafen hätte. draussen bedeckte der nebel die klare luft, alles wurde still. seit tagen schaute ich auf die karte, eine landkarte die mir die welt zeigte. die länder, strassen, siedlungen und ein strassennetz das so aussah wie die menschliche haut wenn man sie näher betrachtet habe. die haut gleichte einer landkarte oder umgekehrt dann träume ich von einer reichen tomatenernte und einem bus mit dem zwei frauen umherreisten dann eine scene in der ich mich in einem raum vorfinde. ich stehe dort nackt, bin nicht allein, im raum ein angenehmes licht. um mich herum sind viele hände, hände meinen körper sehen ohne mich mit den augen zu berühren. die augen des fremden sind verbunden mit einem tuch, er sieht mich nicht mit den augen, er sieht mich mit seinen händen. das sind nicht viele hände, sie bewandern meine körperlandschaft mit neugier, langsam und nicht forsch. ich geniesse jeden atemzug, spüre erregung und aufgeregtheit in meiner brust, meine augen sind offen und dann schliesse ich sie wieder um das licht wahrzunehmen, um dich einzuladen, zu begrüßen. es regnete.

als ich den brief öffnete, war es im raum dunkel. ich stand im flur und sah mich wundernd und staunend, wie der klebestreifen sich beim öffnen bläulich färbte. das war ein blau welches mich an ein falschgeld erinnerte, an etwas was einen seltsam geheimen charakter hatte. ich hielt die reste von dem papier in meiner linken hand, den noch nicht gelesenen briefes in meiner rechten und spürte wie sein geist sich im raum ausbreitete. wir sind auf der sonneninsel angekommen und schauten uns nach einem schlafplatz um.

der wunsch du mir im traum wieder begegnest war sehr stark, der nebel stand noch über dem horizont und ich sah nur die spitzen der bäume sie den himmel berührten, der himmel bewegte ununterbrochen diesen traum. wir sassen auf einer bank und hinter uns ein kleiner sandhügel. vor uns eine wiese und dadrauf pferde, es war sehr warm. die libellen tanzten den bach entlang und wir sprachen, wodrüber genau, erinnere ich nicht mehr, doch wir redeten die selbe sprache. viele monate später als ich immer wieder diesen ort besuchte wurde diese sitzgelegenheit entfernt doch dieser ort wie viele andere orte an denen wir gewesen sind. ich fühlte frieden doch immer wieder ein bisschen wehmut wenn ich nach dem warum forschte und keine mir logische erklärung, mir habe selbst geben können. alles waren nur gedanken die mich nicht beunruhigten mich aber auch nicht stark machten. gedanken die mich liebkosten und streichelten, die mir mut gaben loszulassen was ich nicht habe festhalten können und wenn ich mich selber hätte loslassen können wäre dies bestimmt einzigartige erfahrung. ich glaubte nicht an das schicksal und das karma.
ann fühlte wie das universum in sie hineindringt. von oben nach unten und dann wieder zurück, immer und immer wieder bis das sternenlicht das sie nicht mehr nutzen konnte alles unbrauchbare mit sich nahm. mutter erde reinigte ihren körper im schlaf und sie brauchte nichts tun um gesund zu bleiben. sie fühlte die kraft die ihr geschenkt wurde, sie fühlte die „ehre“ durch ihr blut hindurchfliessen und sie spürte den aller schönsten frieden in ihrem körper sich ausbreiten, sie wusste es wurde zeit, zeit in eine erweiterte dimension zu gelangen, dazu brauchte sie nur den tee am abend zu sich nehmen, jener welcher sie behutsam in den schlaf begleitete um des traumes wesen zu erkunden. das war der zaubertrank.

manchmal, manchmal kamm ich mir vor wie eine pflanze die nur so dahin vegetiert. welche planze war nicht wichtig. einfach nur eine pflanze. ich bat um hilfe bei meinen brüdern, sie waren oft so unverzichtbar und mir war klar das mir überhaupt nichts geschehen konnte, nur manchmal, manchmal als ich den regen hörte und den wind auf meiner haut spürte da wurde mir gewahr wir keine lustlosen gestalten waren, wir waren so ganz gewöhnliche leute die einfach das taten, was getan werden wollte wir im einklang mit dem leben, leben wollten.

„oh, ein neuer mann an ihrer seite“ sagte ann als sie die frau mit dem roten hut auf dem bürgersteig gehen sah. er drehte sich um, öffnete seine arme zu beiden seiten schwungvoll und lachend antwortete er „ich bin nur ein freund, man gönnt sich ja sonst nichts“.
mohrüben, rote bete, bohnen, tomaten und zwei baumsorten dachte ich für den garten zu organisieren, auch mehrere solche schwarze, längliche kästen standen auf der wunschliste und diese würde ich an der süd west wand nebeneinander aufstellen, malte ich mir aus :

klar ist eine schöne farbe, so durchschaubar und wie ein fluss vor sich hin fliessend,
sprudelt sie in die quelle hinein und mündet dort die bucht umrandend,
klar ist wie der nebel am morgengrauen und der wind am horizont die wolken,
klar ist wie die zeit an unserer seite sie uns umhüllt in einem netz aus millionen lichtfasern,
klar ist wie das wasser, das licht, das salz in der ursuppe,
wie der mond und die milchstrasse in einer klaren nacht voller sterne,
klar ist die luft ich sie durch meine angeregten nasenflüggel in mich aufnehme, die luft anwärme, klar …

plötzlich stellte ich mir keine fragen mehr, plötzlich wurde alles in mir still, alles so ruhig und leuchtend, das licht ging aus.

herzlich willkommen