von dem wesen der freundschaft

von dem wesen einer freundschaft

von dem wesen der freundschaft

 

die stimmbänder sangen noch vor dem ersten frühstück melodien in völlig fremdartigen nuancen, so das ann sich darin vorkam, wie als ob sie das zweithäufigste vorkommende element, welches in gesamten universum neben dem sauerstoff  das in der luft schwebte, geschluckt hätte. den geheimnisvollen stoff, das aus jeweils zwei elektronen, zwei protonen und zwei neutronen bestand. man nannte es: helium.
verschiedene stimmen in der höhe und tiefe erfüllten die räume. ann stand irgendwo in der mitte, die gestalt eines wesens wahrnehmend, das sich leise durch den flur bewegte. es war kein geist und im haus spuckte es auch nicht. ein gelbes shirt und die shilouette eines gestreiften tigers auf der brusthöhe deuteten darauf hin, dass dort jemand stand, der eine der katzen, die zum inventar des haushaltes gehörten, im arm hielt. sie sah ihn nur leicht verschwommen und lächelnd in richtung seiner räume gehend. wahrscheinlich fand er anns gesang mal wieder sehr unheimlich, denn oft veränderte sie die stimmfarbe bei fröhlicher stimmung, die sie stets begleitete, und summte melodien die ihr aus heiterem himmel in den sinn kamen.

was will ich nur machen,
was will ich nur machen;
ich werde hier sein und mit dir lachen!

löste sich das seelenleid, sich auf dem weg durch die kehle in ein stilles, klares wasser wandelnd. anns atemfrequenz wurde spürbar tiefer, verlangsamte und konzentrierte sich auf der höhe des herzraumes. sie schaute, wie der atem ihre bauchdecke hebt und sie nach oben und in die seiten weitet, die haut dehnt und sie von innen streichelt und küsst. sie mochte es sehr, wenn der atem das tat. wie balsam oder warmes duftendes öl, fühlte sich die art und weise mit der er seine zuneigung und liebe, die er für sie empfand, zum ausdruck brachte. sie sehnte sich nach einem kuss, welch ihr ein menschliches wesen hätte schenken können, jedoch niemand war in der reichweite und ann würde sich auch nicht von jedem küssen lassen. das wäre ihr zu viel des guten. sie dachte an einen hund.
„na ja, zwei katzen leben hier ja schon, das kind ist bereits gross und weitere noch nicht in sicht, so ist vielleicht schön für mich, wenn noch ein treuer partner in der nähe wäre. einer der bleibt und immer für mich da ist“ träumte ann vor sich hin. auf grund der in vergangenheit auftretender komplikationen, liess sie die idee jedoch schnell los, ihre aufmerksamkeit dem leuchten des mondes und der sie umgebenden dunkelheit schenkend. eine abnehmende stellung hat er am weitem himmel eingenommen. sie erinnerte den freund, der in der fremde lebte, umgeben von lichten bäumen und einem bach das im hintergrund plätscherte . „was er wohl jetzt machte und ob es ihm gut ginge“ fragte sie sich. ihn zu besuchen war jedoch zu spät und so sendete sie ihm ein päckchen, welches schöne gedanken und liebevolle worte zum inhalt hatte.
die magie der worte nutzte sie oft um die kunst des zauberns in der welt aufrecht zu erhalten und ihre ewige existenz zu sichern, denn die gemeinsame sprache vom aussterben bedroht gewesen sei und so machten sich alle, die diesen zustand bereits bemerkten, aus eigener kraft dadran, die essenz des wortes zu heilungszwecken zu benutzen. es war die minderheit oder eine mehrheit, man wusste es nicht genau wie viele es wirklich waren. einige von ihnen kannte sie jedoch persönlich und eine handvoll dieser hilfsbereiten zauberer, schloss sie bereits in ihr herz hinein, sie jedoch nicht darin einsperrend. sie fühlte sich nicht mehr allein und einsam mit der arbeit die zu tun war. sie spürte die gemeinsam wachsende kraft, die sich in rhythmische bewegung wandelte und des fortwährenden austausches bediente.

wir waren keine elite. jedoch partner und gefährte, die das gefühl und den sinn noch nicht verloren haben. und wir liebten alle die erde. unseres zu hause, aber auch die anderen elemente gaben uns hilfreiche tipps, wie wir das gefühl von gemeinsam statt einsam haben fördern können. die freude weichte auf.

der sumi ging es wieder gut.  sumi heisst gute seele und kommt aus dem indischen. dem namenlosen kater, der in wirklichkeit ein mädchen war, war sicherlich egal ob er einen namen bekommt oder nicht, in einem teil der welt in der ann sich jedoch ebenso auskannte, gab es für alles einen namen. so taufte sie den fratz , sumi um dem geschlechterkampf ein ende zu setzen. und dem charakter nach zu urteilen, war er mehr wie ein hund als man sie mit einer katze hätte vergleichen können. sumi war noch nicht so lange ein mitglied der familie. sie ist im frühjahr geboren und war gerade zwei jahre mit uns unterwegs. im letzten frühjahr ist sie auch selber mutter zweier geschwister geworden und ist dadurch, in die geheimnisse der urkräfte, die den übergang von mädchen zur frau in unsichtbarer stille begleiteten, der weiblichkeit und ihrer eigenen energie sehr nahe gekommen. jetzt lag sie gemütlich auf der couch herum und gab, wohl für sie wohltuhende laute von sich, während ann sie am kopf kraulte und ihren körper streichelte. sie war so weich und ihr fell roch so gut, dass ann es immer wieder kaum erwarten konnte, ihre nase in die grauen haare ihrer mitbewohnerin zu stecken, um dem duft des tieres nahe sein zu können. der duft war so natürlich, süsslich und zart. er wirkte etwas hypnotisierend und die sinne betörend. „ein magisches wesen“, dachte ann der stimme und den geräuschen der katze lauschend.

ann spürte auch dem wesen der freundschaft nach und dieser zustand war für sie noch nicht ganz zu fassen. sie kannte bereits die essenz der freundschaft zu den tieren und bäumen. woraus bestand jedoch die alchimie einer freundschaft mit anderen wesen die man rund um den blauen planeten mensch nannte. kann man eine freundschaft riechen, schmecken, fühlen, sehen oder sie berühren. kann sie wie ein duft sein, ein stoff welcher man sich überziehen kann, das nicht kratzt und einem die kehle zuschnürt. hatte sie auch ohren mit denen sie auch einem zu hören kann. die tiere hatten ohren und der mensch hatte auch ohren. hat also das wesen der freundschaft auch ein gehör. „ja, das hat sie“, hörte ann wieder eine antwort von der mitte ihrer brust kommend. ann lächelte augenblicklich und freute sich der freundlichen anteilnahme ihrer selbst.
freude und freunde waren ann auch heilig, wie fast alles lebendige. ann war keine heilige, oh nein, auch glaubte sie nicht einmal an so jemanden wie ein gott den es ausserhalb von einem geben soll. sie kannte einige religionen und scheute nicht stets für neue ihr unbekannte anschauungen offen zu bleiben. ihre herkunft konnte sie jedoch nicht leugnen. dies würde sie ihrer wurzeln und ihrer identität berauben.

in einer nicht all zu grosser stadt , die in einem tal gelegen war und die perle der zentralsudeten genannt wurde, hat man ihre spuren entdeckt. bielawa lag  in niederschlesien und schaute man sich die bilder der landschaft aus der vogelperspektive an, sah man viel wald und wasser um die stadt herum fliessen. ihre herkunftsfamilie war ziemlich christlich geprägt und der idee des glaubens an einen gott den man aus überlieferungen und schriften her kannte, treu geblieben. ihr vater ein heilkundiger medizinmann , war der mittlere von drei brüdern. den vater, vaterseits lernte sie nie kennen, er sei gestorben als anns mutter, kurz vor der entbindung gewesen sein musste, ann hörte nur, dass dies ein guter mensch gewesen sei, der in der nachkriegszeit dazu beitrug, häuser für den obdachlosen zu bauen. ihr bruder war drei als ann geboren wurde. das familienglück sollte jedoch nicht lange andauern, wie in vielen familien zu der zeit es früher oder später der zufall wollte, trennten sich die wege der eheleute, die sich einmal die hände  gegeben und die treue geschworen haben. nie hat sie herausfinden können, weshalb das gemeinsame glück ihre eltern verlassen wollte und schliesslich als sie selber mutter wurde, hat sie den hauch der liebe an eigenem leib erfahren, das familiendrama nicht mehr verfolgen wollend. die erfahrung, die sie selbst als mutter machen dürfte, war eines der schönsten, die sie je hat erleben können. heute lebt sie mit ihrem schon fast erwachsenem sohn in einer hausgemeinschaft, einem dorf, einer kleinen stadt, in einem mehfamilienhaus, welches mit wald und wasser umgeben ist.

wie wir aufwachsen und wie die umgebung war, die wir von früh auf kennenlernten, scheint unsere späteren entscheidungen, wie wir leben und wo wir bleiben wollen zu prägen, so war ann tag für tag mit von dankbarkeit und gnade berührt, denn da wo sie war, war es richtig und gut.

mit dem einbruch einer neuen stunde wurde es plötzlich hell um uns herum. so viel schnee zu dieser jahreszeit hat man selten in den letzten jahren erlebt, so freute es ann aufrichtig, dieses naturschauspiel ausgiebig zu geniessen. eine hohe schicht bedeckte die wege und auch den ganz persönlichen weg der nachbarin, die tag ein, tag aus auf ihm zu gehen übte. nach einem unfall bei dem sie die treppe herunter fiel, habe man ihr knochengerüst erneuert und  ihr einen weg, der von der sonnenseite aus , zu dem asphaltiertem bereich führte, bauen lassen, damit sie mit der gehstütze, ohne probleme und auf dem einfachstem wege, das haus verlassen konnte. trotz der umstände war sie oft fröhlich und ann hörte sie nicht selten wie ein kind jauchtzen. zum himmel hoch und einmal um den mond herum. eine ungeschminkte warheit, die ihr der zufall  brachte. sie gab ihrem schicksal jedoch mit leichtigkeit, sich den sinn zu ihrem besten zu entwickeln . ann überlegte was sie noch mit dem rest des tages anfangen wollte. sie lächelte und spürte die strahlen der sonne im gesicht. was für ein erfolgreicher tag.

herzlich willkommen