träumen und wach sein zu selben zeit

der beste weg deine träume zu verwirklichen ist aufzuwachen

IMG_3743im garten sitzend, den vögeln zuhörend, die katzen wahrnehmend und spürend sehnte sich ann nach absoluter stille, sollte es sowas geben. sie schien diesen zustand bereits von früher gekannt zu haben, denn woher wüsste sie wonach sie sich sehnen sollte, wenn sie es nie zuvor gespürt hätte. ann liebte die stille mit der sie viel gemeinsamkeiten pflegte. sie liebte auch die naturgeräusche und die kulisse des waldes. ein naturschauspiel welches sich ann nicht mehr hätte vorstellen können ohne es zu leben. wie wäre es, wenn es nichts mehr zu hören gäbe, fragte sie. wenn der wind in keine richtung mehr gehen will, zum stillstand kommt und die krähe ihre stimme verliert. wie fühlte sich die welt an, wenn die zeit plötzlich in millionen stücke zersplittert, unerreichbar bleibt. was, wenn der geist seine formlosigkeit in eine zeitlosigkeit umtauschen würde und das wesen der seele und der welt für jeden sichtbar wäre.

sie schaute den auf dem rasen hüpfenden amseln nach und fragte sich ob die amseln pässe, ausweise und grenzen brauchten um ihr leben sinnreich zu gestalten. die vögel haben doch auch familien. gehen auf nahrung suche, finden nahrung, bauen häuser aus nester, und dem material welches sie überall im überfluss  auf der erde liegend finden und geld ist nicht wirklich ein mittel was sie kennen und brauchen um sich selber und ihre familien zu ernähren. wozu also die eile?

die wie perlenglanz leuchtende augen der kätzchen erinnerten ann an den mond und in seinem licht badete sie täglich, sich mit ihm umhüllend. von ihm geküsst, schlief sie von seinem arm umschlungen, die wärme seiner haut spürend ein. er war wie eine zarte haut, durchschaubar wie eine faszie und wie eine zweite haut, eine grenze, die so glatt wie eine plexiglasscheibe war, die an ihr, den vom himmel geschenkten schweiß  der götter, sie mit sichtbaren tropfen und formen beschenkte, die wie der öl ihre seele von aussen im innerem berührte.

wir lassen alles so wie es ist, waren die worte einer zufriedenen kundin für die ann gerade eine programmbroschüre für das jahr 2017 umgestaltet hat. es war eine kräuterkundige ältere dame, die seminare für menschen machte, die sich für die kräuterkunde und die welt der pflanzen interessierten.  wir hatten mitte juni und viele leute machten urlaub, so hat ann bisher nicht genug aufträge bekommen um ihr lebensunterhalt sichern zu können und vom urlaub träumte sie nur in weitestem sinne seit mehr als zehn jahren. sie war von der stadt abhängig und das war ihr ein grauen. sie überlegte fast fortwährend was sie noch so alles anstellen kann um an eben dieses geld zu gelangen, dass sie , wie auch milliarden anderer menschen scheinbar brauchten um unabhängig und frei sein zu können. ann stellte sich jedoch vor, dass dies eine illusion war, anderseits gelang es ihr noch nicht genügend beweise dafür gesammelt zu haben um die anderen davon im ansatz überzeugen zu können, dass das leben  für viele einfacher wäre, gäbe es möglichkeiten einer anderen lebensform die nicht gerade mit einem lottogewinn verknüpft war.

ist nicht ein muss, wie ein kleiner kuss,
einfach nur süss,
und ein lieber gruss.
so lasse ich mich treiben,
dahin wo das herz und die lust,
die unendlichkeit in räume,
in träume wo lust,
statt frust,
die sinne anregen.

in meiner brust,
spüre ich lust.
pulsierende sonne,
im mondesschein,
ich lebe im heute, im jetzt, bin im sein.

gefangen in einem käfig aus brauchen, müssen und wollen, blieb ihr nichts anderes übrig als ihre gedankenkraft auf die bevorstehende prüfung auszurichten, an der sie ihre fähigkeiten in marmeladekochen dem prüfungsausschuss vorführen konnte. dafür gäbe es sogar ein zertifikat, das ann sich hätte in ihrer küche hinhängen können, welches sie täglich in augenschein nehmen konnte. vor dem frühstück oder nach dem siesta, das wäre noch so die frage mit der ann zu kämpfen hatte, bei der überlegung wie die weiteren schritte der karierreleiter richtung schwerelosigkeit so sein könnten.  eine grün blaue leiter aus holz, die sich im kontrast des grauen schimmers der stadtwinkel, hätte gut abheben können, schwebte ihr vor.

ann verstand nicht, was das mit der konkurrenz eigentlich soll. neugierig suchte sie nach der allgemeingültigen übersetzung dieses ihr fremden wortes. konkurrenz kommt von lateinisch „concurrere“, und das bedeutet „aufeinander stoßen“ oder zusammenlaufen. zusammenlaufen, dachte sich ann. sowas wie ein fuss vor den anderen setzen und in einem beschleunigtem rythmus spazieren gehen, fiel ihr eine der einfachsten vorstellungen dazu ein. eine andere definition umschreibt das wort  konkurrenz als “ rivalität, allgemein ein emotionales wettbewerb um ansehen, macht oder zuneigung, besonders im privaten bereich und der politik“.
rivalität!? wettbewerb?! , wozu wurde sowas erfunden, wunderte sie sich. viele menschen haben viele ideen und viele ideen haben viele menschen. und alle machen sie mit. nicht alle, aber fast alle. zu mindest viele von ihnen. ann mochte sich nicht mehr anpassen, zu mindest war sie nicht mehr bereit mit jedem und allem mitzuschwingen. zu dumm erschien ihr diese handlung und dummheit hasste sie wie die pest. wie sehr es ihr der umstand auch leid tat, entschied sie sich jetzt ihrem ego zu folgen obschon ihr wiederum nicht klar war, was das jetzt sein soll und wo sie dieses ego antreffen konnte, denn gerne hätte sie einen tee mit es getrunken. sie dachte sich einen guru , einen buddha oder den von den christen erfundene gottfigur dazu befragen zu wollen. nur wo sollte sie nach so jemandem suchen, das war ihr noch nicht ganz klar.

sie packte den rucksack voll mit unnützlichen sachen. eine kamera, räucherstäbchen, kerze, ein paar klamotten, eine decke und auch  die gitarre als mittel zum zweck und freute sich schon auf den besonderen abend und die bevorstehende dreitages „sommer sonne“ party auf die sie via frazenbuch eingeladen wurde. die spirits wieder zu treffen, die netten geister und gefühlvoll freie körpergebundene charaktere, die sie bereits von früher kannte, das bedeutete nur eins: spass. gemeinschaft. am feuer sitzen. zusammen kochen. ideen austauschen. die landluft geniessen und klein kinder auf dem arm halten.

sommer sonne 2016 - vor der sommersonnenwende

mitten in der prärie des norddeutschen raumes standen einzelne häuser in einer sackgasse verteilt herum. eine ruhige gegend die von pferd und feld umgeben ist. ein weisses haus, ein permakulturgarten, hühner die fast freiwillig in den suppentopf sprangen. idylle pur. dort mehr oder weniger regelmässig zu den wendezeiten, traffen wir uns um zu sein, konsens finden oder auch ihn zielfrei verlieren, kommunikationswege weiten, horizonte bewegen. transformation ebend. die kraft steigt nach oben und die nächste mondphase will begrüßt werden. der sommer in deutschland.

von ein paar tagen träumte ann des nächtlichen traumes von drei männern, die mit drei autos in drei unterschiedliche richtungen fuhren.

jetzt soll es zur sommer sonne party gehen. ann stellte sich an die bundesstrasse und wartete am rand auf vorbeifahrende autos, die die selbe richtung fuhren, in die sie auch hin wollte. einige von ihnen fuhren erschrocken vorbei, wahrscheinlich weil ann nicht angemessen bekleidet war. bunt von oben bis unten, wie ein paradisvogel ebend, das kannte man hier nur vom fernsehen, dem gerät in welchem andere leute, dinge erzählten die sie aus ihrer wahrnehmung heraus erlebten.
während sie wartete und ihre hand seitlich zur strasse hin ausstreckte, um den autoinsidern einen signal der anteilnahme zu geben,  lauschte sie gleichzeitig der vogelstimmen des waldes und genoss die sanfte briese des windgeistes, der ihr noch feuchtes haar föhnte.
ein blechkasten hielt an. ann stieg herein. sie sah viel gelb in der inneneinrichtung des wagens, fast alles leuchtete sie in einem grellen kanarienvogelgelb an, selbst der jenige der vor dem lenkrad gesessen ist. ann schaute noch nach hinten und erblickte silberne schüsseln die sie aus dem gastrobereich bereits kannte. sie dachte, dass der mann ein koch sein musste. ihre vermutung bestätigte sich als sie ihn fragte ob er ein koch sei. er nickte mit dem kopf. ein ja. er brachte sie in das nächst gelegene dorf und fand eine stelle wo ann im anschluss hätte weiter fahren können.

wartend auf die nächste mitfahrgelegenheit hörte ann ungewöhnliche vogelstimmen. sie horchte hin und wurde im augenblick von ihnen heiter belustigt. war das vielleicht der verschwundene papagei, der aus dem nahegelegenem käfig des kommerziell geführtem vogelpark  geflohen ist, fragte sie neugierig. die stimme gab einen laut und ann antwortete mit selbigem laut. ann und die vogelleimen bildeten eine einheit. schon immer wünschte sich ann in der sprache der vögel sprechen zu können und endlich ist ihr das gelungen. hurra, das war lustig.
ann schaute um die ecke, und schwuptiwupp, da parkte schon ein anderer fahrer und sie freute sich, dass sie wieder ein stück des weges mit jemand anders gehen kann.
der mann sah grün aus und hatte etwas kugelige erscheinungform auch braune augen sowie graue haare. das war der erste eindruck den sie von ihm wahrgenommen hat. ein selbständiger gärtner, der im moment auf der suche nach jemanden war, der ihm bei seiner unternehmerischen tätigkeit durch umweltfreundliche prospekte, flyer und visitenkarten unterstützung anbieten kann. er fragte ann ob sie jemanden wüsste, der sowas kann und sowieso schien gerade die sonne. ein gutes timing. was für ein glück, dachte ann für sich und holte eine karte aus ihrer tasche hervor auf der die adresse der designerin stand mit der der gärtner den kontakt aufnehmen kann.
weiter ging ann eine weile zu fuss. so viele wechselnde personen in solch einem tempo waren ihr etwas zu viel des guten. energetisch brauchte sie frische luft um die fahrten auszugleichen. später wurde sie noch von jemanden mitgenommen der auch viel zu erzählen hatte. ann hörte nur zu und stellte fragen. die zeit flog wie dahin. ein weisses haus erblickte sie. endlich da. und wieder hatte sie glück.

sommer sonne 

nächste woche ist sommersonnenwende und da dachte sich ann, da ein schönes wetter prognostiziert wurde, unter freiem himmel feiern zu wollen. diese besondere zeit würde sie meditieren und mitten in und mit der natur sein wollen, gerne auch mit freunden, wenn würde sie jedoch einladen wollen. sie hatten doch alle keine zeit, zu mindest erzählten sie ihr diese geschichte wie auf einer wiederholspur.
dazwischen.
ein tagtraum.
kein ort, an dem sie gerne leben wollen würde, wäre von anfang an fertig. es wäre schön, wenn sie den garten unendlich und ununterbrochen hätte gestalten und geniessen können. 365 tage im jahreskreislauf, wenn man den von menschen erfundenen kalender nicht völlig ignoriert.
es müsste also ein ort sein, wo es die ganze periode so um die 20 bis 28 grad eine aussentemperatur herrschte  und die bäume immer grün blieben. ann mochte den wechsel der jahreszeiten der hiesigen breitengrade, jedoch mochte sie gerne den südlichen raum der kugel noch zu erforschen .

IMG_4927der himmel verdeckte die wolken. die wolken gönnten der sonne etwas schatten um vom licht nicht geblendet zu sein. wir warteten noch auf freunde, die den kleinen tiger abholen wollten. eines der geschwister ging heute auf reise. eine reise in ein anderes universum als das, das es hier bereits erlebte. eine andere familie. ein anderes zu hause. tschüss, liebes wesen. lebe wohl und bringe der familie segen und glückseeligkeit, gab ann in gedanken ein wohltuhendes mantra dem süssem kätzchen mit auf den weg.

sollte ich vielleicht nach einem projekt ausschau halten, dass sich mit humanitärer hilfe beschäftigt, fragte sich ann und wartete auf eine antwort die nur in ihrem innerem kern, ihrem essenzielen sein zu finden war. und wieder träumte sie von etwas, was sie von dem hier und jetzt hat abgelenkt. realismus ist manchmal kaum durchzuschauen.
IMG_4907jetzt waren sie nur noch drei und alle drei kuschelten sich an die mutter heran an ihrer brust die milch aussaugend. süss wie sie da liegen. auf dem runden teppich, mitten im raum und ich, ich bin da. daneben sitzend an die wand angelehnt, den atem im bauch spürend. ein und aus. auch der brustraum weitet sich mit jeder bewegung des luftstromes. ein und aus. jetzt etwas mehr luft, etwas langsamer. ich beobachte, nehme wahr, spüre den fluss meiner lust. ein lächeln entsteht und breitet sich in der hülle aus. auf der länge der wirbelsäule entlang. wirbel für wirbel umringt das licht mit dem lächeln die offenen räume. jede zelle spürt und bekommt die information: ich bin geliebt. amaru.

amaru. die amaru (a-ma-ru) bedeutet schlange und wird in der inka-tradition durch die anakonda symbolisiert. sie steht für die schöpferkraft der Die Amaru: Abbild einer Anakonda, der Verbindung mit der Unterwelt bzw. inneren Welterde und von mutter natur sowie für die kreative kraft des menschen. die amaru ist auch die verbindung in die unterwelt bzw. in die innere welt.

im übertragenen sinne steht die amaru für energien, die der mensch außerhalb seines körpers lenken, steuern und zielgerichtet einsetzen kann.
die q’eros, nachfahren der inka, bezeichnen noch heute den regenbogen als die „amaru des tages“ und die milchstraße als „amaru der nacht“. im amazonasgebiet in peru kennt man kleine dörfer, deren einwohner eine anakondas zähmen und als haustiere halten, die das haus und die familie vor eindringlingen wie den puma beschützen.

mit einer solchen amaru hatte ann bereits einen tieferen kontakt gepflegt und sie war auch ihre verbündete.

als ann der selbigen nacht von der party zurück gekehrt ist, entdeckte sie einen an die wand angelehnten baum auf der terrasse. ein baum das noch eine wurzel hatte und sie wunderte sich von wem dieser hat stammen können. als sie bartek befragte, meinte der niemanden auf dem grundstück gesehen oder gehört zu haben. rätselhaft und dennoch erfreut. mit solch einer überraschung habe sie nie im leben gerechnet. in selbigen nacht war der mond fast rund. eine nacht noch und da wird er die volle umrandung erreichen. ann fiel in einen tiefen schlaf hinein und träumte sehr intime dinge von denen sie im moment nicht berichten mochte ausser, dass sie eine badewanne sauber machte und ein mann sie sehr liebevoll umarmte. er war viel grösser als sie. so gross, dass ann ihren kopf mühelos auf seiner brust anlehnen konnte um seinem herzschlag nachszuspüren. dieser traum berührte sie sehr und sie erwachte noch das gefühl der umarmung und der wärme bei sich fühlend.

IMG_4885eine weitere familie holte eine weitere katze zu späteren stunde. doppelherz fand jetzt ebenso eine glückliche familie wo er sein wesen mit ihnen teilen konnte. sie blieben ne weile, dann nahmen sie ihn mit. diesmal war der abschied nicht mehr so traurig wie die male zuvor. sowohl ann als auch bartek spürten, dass doppelherz den mann mitten im herzen erreichte, hatten sie die sorge um das wohl des tieres in ein tieferes gefühl von frieden tauschen können. sie wussten, dass dieses besondere wesen in gute hände kam.

schade, die socken und die marmelade brachte ann wieder mit nach hause. die gaben waren als opfer für die so reich an dem tag bedeckte tafel gedacht. ann legte die sachgeschenke im flur auf dem tapeziertisch ab auf dem sie ihre illustrationen und kunstbilder malte. vielleicht, vielleicht kommen die beiden auf dem weg zur ostsee nochmal bei mir vorbei, dann kann ich ihnen die mit viel liebe hergestellte kunstwerke zurück geben, dachte ann und der fluss klärte sie auf. ann sehnte sich wieder in die arme des mannes aus ihrem traum. sie mochte ihm gerne wieder begegnen.

 

 

 

 

herzlich willkommen