wie sah dein gesicht aus, bevor deine eltern geboren wurden? zen-koan

eine maske ist das gesicht, das die phantasie einem gott verleiht. ihre geschichte reicht bis in paläolithikum zurück, und noch heute ist sie in gebrauch. masken stellen das menschliche „lebensdrama“ in all seinen mannigfaltigen aspekten dar, insbesondere die verlockende, mehrdeutige, manchmal enthüllenden oft verräterische suche nach dem „wahren ich“ hinter unseren vertrauten selbstbildern. sobald der maskentragende mensch nicht mehr zu erkennen ist, verwandelt er sich in die archetypischen muster, die die maske evoziert.

masken wurden zur anbetung von göttern eingesetzt, bei heilprozessen, zu initationen, um die kollektive autorität und die gesellschaftlichen sitzen zu wahren, aber auch um eben jener autorität zu entfliehen. sie gehören zu den mythischen künsten des draams und des geschichtenerzählens. diese wiederum lassen sich auf den schamanismus zurück führen und in erweiterter form auf eine geheiligte empfindsamkeit gegenüber dem geheimnis und den tiefen menschlicher erfahrung.

eine maske kann verkleiden, bedecken, verschleiern, lügen, einnehmen, befreien, enthüllen, projizieren, beschützen, verleugnen, bewusst machen, täuschen, distanzieren, verkörpern und verwandeln. die besten masken des no-theaters können „gefühle verändern“ weil sie je nach beleuchtung unterschiedlich aufscheinen und sowohl die „grundlegende“ als auch die „wechselnde“ natur emotionalen und psychologischen lebens einfangen.

dieser gestaltwandelnde aspekt von masken bietet rituellen zugang zu erfahrungsebenen die dem bewusstem denken normalerweise nicht verfügbar sind. das kann sich belebend aber auch furchteinflössend auswirken. der ängstigende aspekt von stammesinitiationen oder kultischen initiationsriten ist zur disziplinierung und festlegung von verhaltensweisen gedacht, damit die kollektive stagnation aufrecht erhalten wird. eine ähnlich einschüchternde seite hat sie identifikation mit unserer persona, unseren zeitgenössischen „stammesrollen“.

diese masken stehen auch zwischen der subjektivität und der „kollektiven autorität“ beeinflusst. gleichzeitig spiegeln sie den ihnen zugrunde liegenden archetypischen drang zu anpassung und teilhabe am kollektiven leben wieder, hin zu einer inkarnation der götter.

sondert man dies aus, wird man sich seiner masken und identifikationen bewusst, der lebenden „maskerade“, des verborgenen und des enthüllten, dessen, was durch konformität übermässig unter druck gesetzt wird, und dessen, was hervorbricht und wahr ist. dies ist teil der arbeit an der individuation.

die etymologie des wortes „maske“ lässt sich auf arabisches wort zurück führen, das ursprünglich einen clown bezeichnete, sich dann in die „maskerade“ und die moderne bedeutung „das gesicht verbergen oder schützen“ verwandelte. eine maske bietet schutz vor den mächtigen affekten archetypischer zustände und gewährt eine indirekte beziehung zu emotionen und logischen mustern, die überwältigend wirken können, wird man „direkt ins gesicht“ mit ihnen konfrontiert. „der mensch ist am wenigsten er selbst, wenn er als eigene person spricht. gib ihm eine maske, und er wird die wahrheit sagen“, meinte oscar wilde. anderseits gibt es jene, die ihr wahres ich zeigen, wenn sie die maske endlich fallen lassen.

bibliographie: das buch der symbole, betrachtungen von archetypischen bildern, fotos: copyright free.

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