ein riesen feld mit löwenzahn

ein riesen feld mit löwenzahn

an diesem morgen weckten mich die stimmen der im hintergrund qwitschenden kätzchen die gerade zwei wochen alt waren. ich drehte mich noch im bett hin und her, schlief wieder ein und zwischen traum und wirklichkeit öffnete ich dann ganz meine augenlieder um das licht von aussen zu mir kommen zu lassen. draussen vor den fenstern zwitscherten die vögel, der himmel leuchtete in einem zartem blau und meine hand streckte sich von der einen zu den anderen seite den ganzen körper in die weite lösend. etwas gekrümmt rollte ich den körper zu der einen seite hin um aus einer seitenlage einen einfachen start up in den tag zu haben. der körper fühlt sich seit ein paar tagen etwas gehandycapt an. einseitiger muskelkater in der nacken schulter gegend. die etwas ungewohnte haltung liess mich der vorsicht der bewegung an diesem morgen den freien lauf zu gewähren.

heute ist ein vatertag in deutschland. solch ein feiertag an dem familien zusammen oder getrennt auf fahrrädern oder zu fuss den tag miteinander verbringen. sowas wie ein sonntag in anderen ländern oder ein dienstag in weiteren kulturen. der kalender ist auch schon ein phänomen an sich und vielleicht packt mich die lust der geschichte des erfinders auf den zahn zu fühlen. aus einer unsicheren und äusserst merkwürdigen quelle erfuhr ich folgendes:

die beiden bekanntesten kalendermacher kommen aus rom: julius caesar (100–44 vor christus), nach dem der julianische kalender benannt ist, und papst gregor XIII. (1502–1585), der den gregorianischen kalender einführte, der heute in den meisten ländern der welt gültig ist. der julianische kalender wurde im jahr 45 vor christus eingeführt. er galt im ganzen römischen reich und hatte bis 1582 in europa gültigkeit. unsere monatsnamen richten sich nach diesem kalender, der juli ist sogar nach julius caesar benannt. der julianische kalender war eine geniale einrichtung und ziemlich genau. alle vier jahre, in den schaltjahren, fügte er einen tag hinzu: den 29. februar. im unterschied zum wirklichen sonnenjahr war das jahr nach diesem kalender nur um 11 minuten und 14 sekunden zu lang. bis ins jahr 1582, dem jahr, in dem gregor seine reform durchsetzte, hatte sich dieser kleine fehler allerdings schon auf über zehn tage summiert. wenn du lust hast, rechne es nach: 1627 jahre mal 11 minuten und 14 sekunden.

nur was die beiden kalendermacher dazu getrieben hat und welche absicht steckte dahinter. war das ein segen oder ein fluch. hat sich der mensch womöglich von seinem „innerem kompass“, seiner „inneren uhr“ und somit auch vielleicht von seiner intuition, seinem bauchgefühl berauben lassen der konditionierung zum opfer gefallen?

ich öffnete das gehäuse des arbeitsgerätes auch laptop genannt das auf dem im flur stehendem rundem schreibtisch lag und schaute mir die nachrichten die an mich heute adressiert waren. kein lottogewinn. keine strafanzeigen. keine drohungen. puhhh. was für eine freude, heute darf ich mich meiner geliebten arbeit ganz hingeben, mich in ihr verlieren und mit ihr verschmelzen. nun, was mache ich als erstes, dachte ich mir. keine einfache entscheidung, denn zu meiner arbeit gehören eigentlich nur aktivitäten die mir freude und spass bereiten und das ist schon schwer genug zu ertragen. meditieren, yoga machen, berichte schreiben, ein hilfe zur selbsthilfe buch für personen die interesse haben oder möchte ich ein fachbuch in die hand nehmen, lesen, stricken, im garten kräuter anpflanzen. ich bin dauerbeschäftigt und mit freude gemeinsam dabei . was mache ich aber jetzt ist meist die frage die ich mir jeden morgen aufs neue stelle und die antwort kommt leiser schritte meistens offenen herzens aus meinem bauch heraus. freude ist der rote faden. ich erinnere.

schnell entschied ich mich einen ausflug zu machen. ich packte den laptop, das telefon, bücher, und dokumente an denen ich gerade arbeite in ein rucksack hinein, machte mir eine volle kanne flüssigen tee  und stieg auf das fahrrad welches mir john freundlicherweise als ersatz vor der haustür hat stehen lassen. meine dreigang quen ist noch in der werkstatt. sie war verletzt und der john hat sich bereit erklärt ihr zu helfen. ein netter wesenszug. bin voller dankbarkeit.

ich radelte dann los und meine absicht war mich heute mit dem grundlosem see zu umgeben. ein ort das viele tierarten und schützenden raum für die und für diese jahreszeit typisch sei. zarter duft der blühenden bäume und der gelb blühenden rapsfelder erreichten die gehirnareale meiner erinnerung sich durch die löcher meiner nase den weg dorthin nehmend. ich spürte eine mich vom wind umhüllende liebe so als ob die lichtwesen und geister der mir wohlgesonnenen mit mir seien. ein falke flog einige meter vor mir und über die noch mit reinen erde bedeckten felder richtung wald hinüber. ich schaute ihm hinterher und erblickte über den bäumen seinen freund der bereits in runden kreisen unter den wolken seine gewohnten bewegungen machte. ich schaute ihm nach und wusste, er will dahin um ihn zu begrüßen, ihm heute die gesellschaft leisten, mit ihm zu sein.

gelbes feld

auch wenn ich schon so lange hier zu gegend wohne, staune ich jeden tag aufs neue welch eine vielfalt die menschliche einsamkeit zum ausdruck bringen kann. solch ein falke ist schon für manch einen eine riesen sensation, wo für den anderen dies eine selbstverständlichkeit sei. so unterschiedlich die wahrnehmung auch sein mag ist es auch zugleich auch irgendwie ein paradies von dem so viele zu träumen wagen.

ein orangfarbender flugzeug kreuzt mir den weg über mir fliegend. ein moment lang spüre ich ihn ablichten zu wollen um diesen augenblick meiner begeisterung mit dir zu teilen, dann lasse ich los und behalte dies für mich. es ist jetzt mein geheimnis. ein orange farbender flugzeug das über meinem kopf geflogen ist.

der weg zum grundlosem see auch grundloses moor genannt führt an waldstrassen und durch graue felder hindurch. eine frau auf dem pferd biegt in den wald hinein und mein kopf dreht sich noch langsam hinterher schauend, denn ein moment hatte ich die sorge das dies nur ein produkt meiner phantasie sei. aber, nein. die frau und das pferd sie waren echt.

ein riesen feld mit löwenzahn. ich liebe löwenzahn. schon allein deshalb weil er solch eine grandiose farbe besitzt, heilende wirkung hat und auch noch als beilage zum green smoothie oder einer abendmahlzeit als gourmee köstlichkeit meiner flatternden zunge schmeckt. die goldgelben köpfe, gesammelt und in der pfanne gebraten, mit salz und butter abgeschmeckt lassen den magen kräftiger und immun gegen unliebsame eindringlinge werden. mhmmm.

ich schaue in den himmel. ich bin im himmel. ich fahre. spüre. fühle den wind. es erreicht mich ein gefühl von berührt sein und mir kommen die tränen in die augen. aber dies ist kein tränendes herz sondern ein unbestimmtes gefühl das noch keinen namen hat aber von mir wahrgenommen werden wollte. mein erleben und die welt. die welt und mein erleben. und die wirkung. die wirkung ist vom tag zu tag so unermüdlich und aphrodisierend.

an der birkenallee entlang die eigentlich eine strasse ist auf der auch autos sich forbewegen können erblicke ich eine gruppe von menschen am strassenrand wandernd. sie wollen bestimmt zu dem hotel das hier gleich in der nähe ist. das hotel „forellenhof“ auf dem man auch forellen fangen kann. ein junger mann küsst die hand seiner freundin. die braun schwarzen bizons grasen gemütlich auf der anderen seite ihr zweites oder drittes frühstück und ihr interesse dafür was auf der anderen seite gerade so los ist scheint gleich null zu sein. ein bauernhof. wieder ein feld voller duft und die brise auf meinen wangen. ich schaue nach oben und sehe ihn. seine flügel weit und in der sonne glänzt sein gefieder von unten goldbraun leuchtend. ich erstarre. werde still und wieder die lust ihn für ewig festzuhalten, ihn in der kamera einsperren und seine erscheinung so wie sie jetzt ist einfrieren. ich wage einen versuch. er ist zu weit, die anderen werden ihn nicht erkennen können und auch nicht seine schönheit sehen . ich gebe auf. schon wieder ein einsames geheimnis das niemand jemals nochmal wie heute erleben wird. der film zeigt jetzt nur noch die strasse und das goldgelbe feld im hintergrund.

vater sonnefreudvoll und gedankenerfüllt komme ich am see an. die frisch geschnittenen kiefer verströmen ein duft das ich so gerne mag. der kiefer ist auch ein baum das eine unglaublich lange geschichte hat. und der wie eine stimmgabel ausschauene baum, das mir positiv im gedächtnis geblieben ist ist auch nicht mehr das was er einmal war. sein arm ist gebrochen und jetzt , jetzt ist er behindert. unvollkommen. einfach nicht mehr das, als das was er einmal war , als er noch zwei arme hatte die sich harmonisch mit der kulisse des moores verwebten. ich hoffe das stört die anderen nicht so sehr. er steht noch da. ganz fest seine wurzeln im boden verankert und möglich dass er jetzt einfach nur sich viel leichter fühlt, besonnener und optimistisch in die zukunft schauen kann. ich habe ihn nicht angesprochen. es war nicht die zeit. die balance konnte er noch halten. das habe ich gesehen. ich bin ein zeuge.

hunderte lichter tanzen auf dem see ihn zu etwas magischem verwandelnd.
ich spaziere dort barfuss herum und spüre die tannenzapfen unter meinen füssen, auch die temperatur des wechselnden bodens. mal fühlt es sich warm an, mal kalt, dann wieder feucht und angenehm kühl. die menschen die mir auf dem rückweg begenen feiern, spielen flaschenspiele auf dem mit schatten bedecktem ackerfeld. eine andere gruppe ist voll verkleidet. wie am karneval. und sie ziehen bollerwagen voller bier hinter sich her. ihre kleider leuchten wie die neonschilder auf den rotlichtvierteln der schmutzigsten ecken hamburgs und ich frage mich ob das der trend des jahres sei oder der gustatorische sinn ihm bereits völlig den verstand geraubt hat. raubtiere sind aber menschen nicht. menschen sind säugetiere, denke ich mir der frau die mir ihre hand entgegenstreck meine hand gebend. die strecke ist zur hälfte geschafft. bin wieder dort wo vorhin das orangene flugzeug über meinem kopf flog und ich einem jungen, der aus dem auto heraus zu mir blickte mit der hand einen signal gegeben habe. ein „hey, ich grüße dich“.

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foto: frank derer

ich sammelte noch eine tasse voll von diesen gelben blumen die man „löwenzahn“ nennt und freute mich bereits auf die nahrhafte kraft und lebensmut spendende nahrung. mein magen knorrte bereits voller sehnsucht. nur noch wenige meter. mitten durch den wald an dem sonst meine kuhfreunde stehen. heute waren sie an einer anderen stelle. die strasse kann ich schon erkennen. „war schön“ fragt die nachbarin. „total“ antworte ich ihr. noch ein paar schritte. die treppe herunter steuere ich  auf den küchenraum. löwenzahn, brot und tomaten. leckerer masala chai tee und jetzt jetzt sitze ich hier und drei kohlmeisen und eine amsel mit einem wurm im schnabel kommen gleich zu mir zur besuch. an allein sein ist hier nicht zu denken. vielleicht erreicht uns der duft der blühender bäume an diesem tag besonders. ich höre ihnen zu und sie reden. sie reden in einer sprache die mir unbekannt ist, dennoch erkenne ich wie sie miteinander gerade kommunizieren. ihre sprache ist so melodisch, fein. sie sitzen im gebüsch und auf bäumen und sie singen einander geschichten erzählend. die vögel der welt.

herzlich willkommen