der sonntag kann so schön sein

 

herzlich willkommen

nach dem schrecken des dunklen träumens, erwachte ich heut früh in ein gefühl, mit meinen fingern den nackten leib meiner träume begreifen zu wollen. ich räckelte, dehnte und streckte mich im bett dann aber auch packte mich die lust der im hintergrund singenden vögel. falken, elster und eichelhehär erkannte ich noch im warmen gefäder eingerollt, denn kalendarisch gesehen haben wir noch winter. sie begrüßten mich in den frühen sonntag morgen. meine freude wächst ins unermässliche, wenn ich ihrer stimmen und ihrer sprache untereinander, ihren rufen, ihrem spiel und der mehrfarbigen melodischen konzerten zuhören kann. da fühle ich das glück.

etwas unerwartet machte ich mir heute morgen erst später das frühstück, als erstes wollte einfach noch die arbeit getan werden. so setzte ich mich am arbeitsgerät welches das launige chaos bereits gewohnt ist und sortierte darin ein paar ordner und bilder, diesen verschiedene namen gebend in präsentationsmappen für die einfachere auffindbarkeit. in deutschland ist das wohl üblich am sonntag nicht zu arbeiten, es scheint ein heiliger tag oder sowas in der art zu sein, nun für mich, für mich ist meine arbeit heilig und ich liebe es, mich mit ihr tag ein, tag aus zu beschäftigen, vor allem aber auch weil die tätigkeitsbereiche mit denen ich zu tun habe, für mich spass und freude bedeuten und mein leib mit liebe füllen. ich glaube deshalb entscheide ich mich dafür doch immer wieder die zeit mit meinen hobbys gemütlich zu verbringen, in denen ich fühle „mein herz geht auf“.

rechner beiseite. die katzen liegen gemütlich auf ihren lieblingsplätzen herum. bon appetit. nach der leckeren mahlzeit ein reinigungsritual und wieder lustvolle erregung bahnt sich den weg in die freiheit, denn die sonne scheint herein und eigentlich denke ich schon seit tagen dadran das fahrrad wieder ins bewegung zu bringen. ja, jetzt ist die zeit dafür gekommen. ich wechsele noch einige worte mit sebastian, meinem mitbewohner, der gerade aufgestanden ist und mache mir ein zweites frühstück, ein salat mit thunfisch. eine flasche tee und eine spiegelreflexkamera landen im reisebeutel . in erdiger stimmung hole ich die dreigang queen aus dem keller heraus. endlich. so lange haben wir uns nicht mehr gesehen, meine treueste reisegefährtin „ anarchia de lux“ fiel mir der name für sie ein, als ich später unterwegs war. eigentlich heisst sie aber „sparta“, dennoch, habe ich das gefühl, ihr ist das egal wie ihr name ist. beim fahrrad fahren kommen auch die lustigsten ideen und die wirrsten gedanken zum vorschein. ein zustand den ich nicht mehr missen mag. irgendwie habe ich dabei oft viel zu lachen, denn manch ein gedanke während des radelns wohl die bewegung der neuronen und zellen untereinander zu unterhalten versucht und dabei die unmöglichsten und spannendsten strategien zum vorschein kommen . einfach, klasse und lustig zugleich.

luis und soraya, die könnte ich mal besuchen fahren, denke ich mir. die beiden schon ewig nicht mehr gesehen und boris erzählte neulich, dass soraya in kürze ein baby erwartet. baby, ein neuer erdenbewohner, wie schön. da will ich hin, herzlich willkommen sagen, den bauch der mutter streicheln und die beiden einfach mal wieder in den arm nehmen. soraya ist lehrerin und luis musiker, beide leben in nahegelegenem ort im kreis rotenburg nahe visselhövede. ich schaue mir auf der karte die strecke an, die auf dem kürzesten weg dorthin führt. da ich die landschaft hier schon gut kenne, sah ich vor meinem innerem auge bereits den schon so oft gefahrenen weg. die katzen werden irgendwie nervös und ich bin nur noch froh, wenn ich gleich draussen bin.
bücherschrankvon bad fallingbostel, über bomlitz am industriepark „wolf“ vorbei, weiter entlang an dem entwicklungs- und forschungsinstitut vorbei und der am waldrand und nahe der hauptstrasse gelegenen freien waldorfschule , komme ich am bomlitzer bücherschrank an und mache dort eine pause. der bücherschrank ist meist sehr gut sortiert und ich staune wieviele autoren unterschiedlicher stilrichtungen darin zu finden sind. von romanen über sachbücher bis hin zu ökologisch orientierten alternativen. gleich finde ich auch drei bücher die mein interesse geweckt und meine aufmerksamkeit angezogen haben: „der prophet“ von khalil gibran, „die wunderbare welt der sprachen“ von charles berlitz und noch ein weiteres roman das mit dem thema -bindungen- zu tun hat. bindungen, mit dem thema befasse ich mich gerade in meiner tätigkeit als körpertherapeutin. das zeitgefühl ging dabei verloren obwohl mir die zeit an diesem tag so gar nicht im gefühl war. wenige menschenseelen , viele vögel , sonne , wind und der erste familienausflug haben die euphorie und die höhenunterschiede zwischen den geschlechtern ausgleichen können. so als ob geschlechtslosigkeit und vielfältigkeit dieser doch endlich von der gesellschaft als „normal“ die akzeptanz gefunden haben. was ist aber schon normal ? den frühling habe ich schon in der luft riechen können, dennoch, jetzt spüre ich, dass ich etwas underdresst bin und meine hände suchen sich schnell einen warmen platz unter den ärmeln der prophetmeines lila pullovers, den ich mir heute aus dem schrank für diesen ausflug herausgenommen habe. am kreisel vorbei richtung jettingen und ahrsen führt der weg weiter an der bundesstrasse entlang. herrlich, kaum autos unterwegs und die, die unterwegs sind, scheinen heute bester stimmung zu sein, denn ich sehe die gesichter in den autos sitzender menschen fröhlich mich anschauend und anlächelnd. ein alter man winkt mir von der anderen strassenseite zu. ich winke zurück und freue mich der entspannten offenheit und wohliger freude an diesem tag. ist heute ein fest der freude ? dieses gefühl scheint ansteckend zu sein. auch all die anderen menschen die ich heute treffe begrüßen mich und ich sie. ich liebe diese familiäre und offene stimmung in dieser region. das hat schon fast was spirituelles an sich.
ich nähere mich einem bauernhof an und der duft der aus dem kuhstall , der in meine nase eindringt, erinnert mich gleich an meine in polen verbrachte kindheit und das mit meiner damaligen besten freundin besuchte bauernhof ihrer verwandschaft. wir waren viel draussen und spielten auf den feldern bis zur dämmerung. die fledermäuse drehten ihre runden und wir bekamen einfach nicht genug von der frischen luft und den tieren. ich liebe das landleben und die damit verbundenen gerüche. nur die gerüche der abgase der autos stören mich sehr.
bei den leuten angekommen rufe ich laut auf dem hof stehend. huhu, jemand da!

landschaftich sehe zwei autos und das lässt mich vermuten, dass das haus doch besetzt sein müsste. ich steige vom fahrrad ab und gehe zu tür, schaue durchs fenster, gehe um das haus herum, ich sehe niemanden. schade. mit einem traurigem und einem lachendem auge verlasse ich das grundstück und fahre den weg wieder zurück in richtung bad fallingbostel. vögel, wald, felder, falken. eine joggende frau lächelt mich am vorbeilaufen an, ein muskulöser rennradfahrer schallt auf der anderen seite an mir vorbei. mein auge hat nur noch seine fett muskölusen oberschenkel erfassen können, ob er viel protein zu sich nimmt? hmm. eines gemütlichen schrittes fahre ich weiter mich selbst motivierend den berg hinauf. mich selbst zu motivieren das kann ich gut und habe meist auch spass dabei mich anzufeuern.  „los, anna, los..das schaffst du!“ rufe ich mir zu und nehme gleichzeitig eine freundliche stimme wahr, die diese worte sagt. das ist bestimmt die innere stimme meiner seele, stricke ich mir die erklärung für dieses unkontrollierte verhalten meiner person.

„kaffe und kuchen, kaffe und kuchen…“ wieder packt mich eine lust. jetzt soll das ein fettes stück selbstgemachte torte mit viel sahne sein. landestypisch denke ich mir, denn sonntag ohne kaffe und kuchen in diesen breitengraden wohl ein familienbrauch, so wie ostern, weihnachten oder geburtstage. das ist schon lange her als ich sowas im mund hatte und mein gaumen eine weitere freude an dem so freudvollem tag hätte zu spüren bekommen können. kuchen, torte, irgendwas. ich habe hunger. in der weite erblicke ich eine frau mit roten haaren und zwei hunden. die frage ich jetzt ob sie mir den weg  in das nächst gelegene cafe´weisen kann. etwas verwirrt und wohl von der frage überrolt , zieht sie ihre augenbrauen zusammen und fast sich mit der hand an die stirn um sich wohl an ein cafe´in der nähe zu erinnern. sie erklärt mir den weg und zeigt mehrere möglichkeiten auf wo ich jetzt was zu essen bekomme. „tietlinger tennisplatz“ soll dauergeöffnet haben, sagt sie. ich bedanke mich und fahre meines weges richtung bomlitz weiter. erstaunlich, da wo ich vorhin war, da bin ich jetzt wieder zurück gelangt. am wolf vorbei. zwei kinder fahren auf der verlassenen hauptstrasse belustigt an mir vorbei. ein kranich fliegt über meinem kopf. nach vier stunden und etwa 35 kilometern komme ich best gelaunt wieder am anfang und ende meiner reise an. jetzt noch eine suppe kochen, haferkäkse backen und die füsse hoch legen. der sonntag kann so schön sein…

herzlich willkommen