und jeder der sein inneres nicht ...

denn jeder, der sein innres selbst nicht zu regieren weiß

der wind. der wind, er faszinierte mich. ich konnte nicht sagen, was das konkrete dadran war, er meine aufmerksamkeit in sein umfeld abzulenken versuchte. mich durch dich und deine blosse existenz immer wieder mit der gewissheit in kontakt, meiner eigenen intuition zu trauen, mich akzeptiert und angenommen zu fühlen war das gefühl jenes mich eroberte, ich an dich die gedanken verlor.
so magisch und heilsam wirkte unsere kraft und ich spürte deine einsamkeit, der atem hob und senkte gleichmässig meine bauchdecke. meine aufmerksamkeit, meine seele, mein innerstes war mit allem in mir vereint und dies zu spüren schenkte mir die zuversicht, unsere verbundenheit eine auf dauer sein würde.

ich hörte die katzen neben mir schnorren. nami war erst zwei monate hier und immer noch liebte sie es bei ihrer mama, den fluss der goldenen milch zu geniessen. ihre kleinen pfoten machten eine rhytmische und gleichmäsige bewegung, ihre zunge presste sich an die brustwarze und sie fiel in einen tieferen schlaf hinein.
wenn kinder die muttermilich bekommen und die wärme des körpers spüren, scheint dies ihnen sehr zu gefallen. sie scheinen sich so wohl zu fühlen, geliebt und mit einer vertrauten aura umwoben, sie bereits aus dem innenraum der gegend her kennen, wo sie hier im bauchraum aufgewachsen sind, bevor sie dazu umfassend die selbständigkeit entwickelt haben, nach aussenhin zu gelangen. ihre weisheit und das wissen dadrum, wann der richtige zeitpunkt ist geboren zu werden, scheint jedem in seiner natur angelegt zu sein. niemand braucht geboren zu sein, wenn seine zeit noch nicht gekommen war.

er war einer der aficionados* des heutigen zeitalters, keine illusion, ein mann aus fleisch und blut, dessen gegenwart nicht erst nach seinem tod hoch geschätzt wurde, sondern bereits jetzt, in unserer gemeinsamer zeit, ich sein unsichtbares wirken nicht nur zu tiefst verstand, sondern auch sein tun zu würdigen wusste. diesen fortschritt zu erfahren bereitete mir sehr viel vergnügen, denn wir kannten uns bereits seit vielen jahren und unsere absichten ähnlicher natur waren. sein gespür, seine weisheit, seine herzlichkeit waren ideale, mit denen er der zeit, die er bewanderte, sich mit ungehinderter fröhlichkeit widmete. *(ein aficionado war ein begeisterter liebhaber bzw. ein enthusiast)

vielen menschen war das bedürfniss gemeinsam, annährende worte zu finden, die, die komplexität der fragen entschärften, um antworten für jeden im allgemein verständlich zu bilden, die das heutige bewusstsein der gesellschaft mit seinem unersättlichem geist, dessen gier wie ein teil von einem puzzle zum gesamtbild des bereits bestehendem bewusstseins einer kultur passte. es gab viele die protestierten, die rebelierten, die sich anpassten, die in diskussionen teilnahmen oder stillschweigend der evolutionären entwicklung zuschauten. wir befanden uns auf dem gebiet das man „europa“ nannte. und wir hatten glück, denn hier fühlten wir uns einigermaßen vor den ilusionen die andere länder in den sicheren tod begleiteten, relativ. unsere ansichten waren verschieden und hafteten an unbedeutsamen hintergründen, doch wir waren in der lage die knoten zu identifizieren, die unseren bereits lieb gewonnenen frieden zu zerstören drohten. nicht die individuelle wünsche standen im vordergrund und auch wenn dies manch einem nicht einleuchtend erschien, war uns klar, unserer lebensschiff dadurch keine risse bekommen würde.

„wer bin ich?“, „wer bin ich wirklich?“ fragen die nach persönlichen vorlieben erkundet werden konnten. fragen die gleichzeitig wichtig und unwichtig sein konnten. wichtig waren sie für den, dem der sinn zum leben zu entrinnen drohte. unwichtig konnten sie für den sein, der bereits das interesse für das leben mit all seinen facetten zu verlieren schien. ihm erschien so vieles schräg und skurill und da ihm das kultulerre erbe noch so unbekannt vorkamm, fürchtete er , das ergebnis könnte auf dem spektrum irrelevante folge reaktionen aufzeigen. ihm war nicht bewusst ob die umwelt ihm wohlgesonnen werden würde, wenn er seine masken entpupt und da er sein gesicht nicht im dreck verschmiert stehen lassen wollte, verfiel er hinter der kulissen in eine stimmung, die von aussen nicht für jeden als unglücklich anerkannt werden konnte. er war der meister darin, seine gefühle zu verstecken, sie zu maskieren, zu vergraben, sie nicht zur schau zu stellen. man sah nur die knochen. die zähne die von weit leuchteten und ein gesicht, das wie eingefrohren und leblos wirkte und einer im aussen stehender person den eindrück verschaffte, seiner freiheit nichts mehr im wege stehe, doch all dies schien in wahrheit nur wie ein zu gross geratenes kleidungsstück, dass nicht wirklich auf den träger passte. er trug es mit stolz, doch im inneren fühlte er, das dieser teil seiner persönlichkeit, mit seiner persona humana in konfrontation geriet. abhilfe schaffte sich von selbst, dazu brauchte es keine ablösung. sein gefühl flüsterte ihm oft: „er könne jetzt gehen, er könne das land verlassen“ und dem impuls das gehör zu schenken schmeckte  ihm wie die biologisch angebaute orangen, die seine liebe zur exotischen küche unterstreichten.

bei sich selbst zu bleiben war für den leicht, der sein selbst bereits (er)kannte. um sich selbst zu kennen und zu erkennen, brauchte der mensch vielleicht perioden von zeiten, die er allein mit sich selber verbrachete und phasen, die er in begegnung mit den wesenheiten, den lebendigen organismen, die den planeten mit bewohnten, für die eigen reflexion nutzen konnte. dies früh genug zu begreifen hätte manch einen kollegen vor leid und schmerz wie auch vor kranheit schützen können, denn nicht nur eigene denkweisen in einem selbst unliebsame empfindungen hervorrufen konnten auch durch das empfindungsvermögen der personen, die im umfeld wahrzunehmen waren, hatte das potenzial die lebenskraft des einzellnen zu schwächen, zu stärken oder auch unberührt sein zulassen. ich bildete keine hülle um mich herum, mir konnte nichts passieren und ich fühlte mich wohl in meiner haut. mir fehlte an nichts, ich war kern gesund.

„denn jeder, der sein innres selbst nicht zu regieren weiß, regierte gar zu gern des nachbars willen, eignem stolzem sinn gemäß.“ johann wolfgang von goethe

was war das für eine welt in der ich lebte. ausser der mehrdimensionalität dieser,  spürte ich die lebendigkeit meiner liebe, meiner gefühle die in verbindung mit dir einen großen fluss an emotionen mit sich brachten. „guten morgen mein lieber zauberer“ schrieb ich dir, dann hörte ich ein lied von einem kapitän der flüchtlinge gerettet hat und erinnerte unsere geschichte. kapitän, das wolltest du immer mal werden. ich war deine frau und du mein mann und die erinnerungen ich an die augenblicke pflegte, waren womöglich anderer natur, du sie erinnert hast. wir lebten nicht zusammen denn in einer welt wo vergänglichkeit, wandel und von den mitmenschen geforderte demut, die scheinbare unabhängigkeit formten, war unser verstand dem „ich verstand“ nahe. wie ein stern unter milionen, war unsere liebe für die welt mit ihr vereint. so stark, so befreit, so ungehemmt. mir sehnt sich sehr nach dir.

er war der herr des eigenen lichts und seine ideen verschleierten die wirklichkeit. er brachte sie nicht zum ausdruck, der glaube war nicht fest, seine bestimmung nicht unklar. während mein denken sich über die vergangenheit und über sich selbst beugte um die ursachen meiner aufdringlichkeit zu erforschen, begann die ursache sich in ein mitfühlen zu verwandeln. es gab keine zukunft die verwirklicht werden konnte und auch kein grund der mit der utopie unzenntrenbar war. der geist streichte dem körper in einer hüllenlosen dämmerung einen befreienden laut. er hatte keine klare vorstellung von seiner aufgabe, dafür aber einen klaren sinn für eine wirklichkeit, die keine unterschiede brauchte. der prozess der auflösung war stärker als er es zu träumen wagte, so schrieb er:

„mutter natur, es wachsen keine blumen mehr, wo mein wankender schritt sich hinwendet; ohne hoffnung und ohne angst wurde ich geboren, ohne angst und ohne hoffnung kehre ich zu dir zurück.“

den inhalt dessen was ihm seine innere stimme vermitteln konnte machte er zum geheimnis. lieder und musik waren ihm wichtig und seine art, um mit dem universum und seinem selbst in verbindung zu kommen, doch mich verwunderte seine haltung und ich stellte mir dann die frage ob leute, die sich so viel musikalisches um die ohren hauen, überhaupt noch ihre eigene stimme wahrnehmen können und ob sie diese von den vielen weiteren, die sie durch den musikalischen beitrag aufgenommen haben, dann nicht als teil ihrer selbst adaptieren.
wenn ich den ganzen tag den stimmen im radio zuhöre, den kollegen auf der arbeit und dann noch abends den fernseher einschalte, wo war der raum, wo ich meiner eigenen stimme habe die zeit gegeben um sie zu erfahren, vielleicht auch zu filtern, sie von den anderen unterscheiden zu lernen. wie viele menschen es wohl gab die den ort ihrer eigenen stimme nicht kannten. um sie zu finden, gab es vielerei möglichkeiten und wege, man habe einschlagen können. sie war nie fern von einem weit weg, denn die stimme um die es hier ging, lag ganz gemütlich, entspannt und friedlich in einem selbst und wartete bei manch einem vergeblich dadrauf angehört zu werden. nun, wie erreiche ich mein selbst, oder anders gesagt mich selbst? telefonisch? per email oder postalisch, wie?
die idee war keine freiwillige, so versuchte ich einmal mich anzurufen, um mit mir selbst ins gespräch zu kommen. ich schrieb mir auch nachrichten und sms, auch emails und briefe und jedes mal spürte ich, ein lächeln und so dachte ich, das bin auch ich. doch war mein denken vielleicht mich in die irre führen wollend, denn wozu brauchte ich angeblich mittel, die ausserhalb von mir waren um in kontakt mit mir zu bleiben? ich schrieb ihm weitere gedanken mir dazu einfielen: „heißt das, dass du den kontakt zu dir selbst verlierst, denn wenn man mit seinem selbst in ununterbrochenem kontakt stehen würde, würde man nicht immer wieder die verbindung neu aufbauen brauchen, universen gibt es warscheinlich so viele, es menschen und andere organismen in der welt gibt“ doch ich ahnte als er von einem universum sprach, dachte er an den kosmos, die atmosphäre die ausserhalb von ihm zu spüren war.

„oh, meine seele, suche nicht die unsterblichkeit, sondern nutze das feld der möglichkeiten“, (pindaros lebte im sechsten und fünftem jh.v. chr.)

meine erkenntniss also die bereits gelebte erfahrung, bestärkte mich in meiner handlungsfähigkeit so das die möglichkeit der bewusst erlebten wirklichkeit sich unverändert anzufühlen vermochte. meine aufmerksamkeit konzentrierte und zerstreute sich zu ungleichen teilen, teilen die mit der atembewegung meiner bereits lieb gewonnen integrität, einer unscheinbaren strömung, die an mich von ausserhalb gelangen wollte, einen raum in meinem innerem zu geben offen war, in dem alles erlaubt war. wirklich, alles. für dich war das ein ungewohntes verfahren und mir war nicht ganz klar ob dir diese geste zugesprochen habe, doch mir war wichtig dich zu treffen. die möglichkeit der offenen begegnung gründete in einer vorsicht die unerklärt ein gesicht zu wahren schien. als wer willst du angesehen werden? und wenn du herausgefunden hast als wer du denkst du dich selbst ansiehst, so werde dich auch der andere im aussen ansehen können. du brauchst dich nicht zu verstecken. doch wer war das, der ich dachte, er sich zu verstecken versucht? alles voller rätsel. nicht anerkannter gleichgültigkeit. menschen sprangen an sterbenden vorüber, machten versprechungen um sich bei der bevölkerung beliebt zu machen. versprechungen die ihrem anspruch gebeugt auf knien nach der befreiung, der freistellung rufte, doch niemand hörte ihnen zu. wirklich niemand mehr hatte zeit. jeder und alle sprachen. irgendwas, einfach nur jemanden zum quatschen wollten sie haben. niemanden den sie lieben konnten, nein, jemanden den sie voll quatschen konnten. vielleicht war genau das ein teil von der all umfassenden onelove story nach der die menschheit sich so sehr zu sehnen schien. und fast alle, wirklich fast alle machten sie mit. nur fast.

ich war kein anhänger vom glück. ich war bei mir ganz gut aufgehoben und froh. das war die bahnbrechende erkentniss der neuen dimension in der ich es mir mit meiner familie gemütlich gemacht habe.

die gesellschaftsentwicklung beobachtend. sie gingen hand in hand. die botschaften waren so deutlich auf den kapitalismus geeicht, mir die freundlichen gesichter der werbeplakate nur ein eindruck vermittelten, die leute ihre kunst schon schaffen werden, die inhalte an den entsprechend willigen anhänger zu übermitteln.  ausser gewöhnlich sein zu wollen und danach zu streben schien nicht für jeden eine lohnenswerte wahrheit zu sein, eine geschichte die auf belohnung basierte und bei mensch wie tier gleichbedeutend zu funktionieren schien, erschien mir als ob die fremdbestimmung irgendwie seltsam, schräg und kurios einen einfluss auf so viele menschen hatte. nur wie war das möglich? der mensch war also formbar. gleich nach dem motto: „komm her ich gebe dir ein leckerlie und du machst dann dafür das was ich will“ die parole des in der neuen zeit scheinbar herrrschenden rituale. doch mit solch einem modell habe ich keine übereistimmung finden
können. und wer war eigentlich der fremde der das selbst des anderen zu bestimmen suchte. was war sein motiv, seine perspektive, sein interesse?

immer nur hinunterschlucken, auch die ungeniessbaren dinge, dies kann auf dauer zu verdauungskomplexen eines organismus führen. nur was wirklich ein teil von mir wird, was ich gut verdaue, das tut mir gut. darum bejahe ich manche sachen und andere lehne ich ab. den ersten windbeutel mit schlagsahne nehme ich an, den dritten lehne ich ab. was wir nicht verdauen, kann sich in uns wie ein fremdkörper anfühlen. mangel und fülle, spannung, entspannung, meinungen, ideen, informationen, verhaltensmuster, prinzipien, dogmen die über eltern, schulen, bücher, institutionen, verbände, und so weiter auf uns gekommen sind mit unseres innerstes einzudringen versuchen, ungefragt, ohne vorwarnung, ohne scham, ohne lust. sie richten sich nach ihren bedürfnissen und kolidieren mit den des anderen. es entstehen keine brücken, keine milchstrassen.

wenn du sehr viel verschluckst, dann kann es dazu kommen, du mit der zeit eine ganze rheie von dingen, die dir schwer im magen liegen werden in kontakt kommst. mache ich so weiter, dann gleiche ich schliesslich einem lagerhaus, in dem allerlei gedanken, ideen, normen anderer leute gelagert liegen und es kann dadurch soweit kommen du für dich selbst keinen lebensraum mehr spürst. dass du dir vorkommst wie in einer fremden umgebung und kein eigenes zuhause mehr bei dir findest…jedesmal wenn dann jemand kommt, der kräftig reklame macht für seine ideen, seine grundsätze, oder seine paragraphen, wirst du weich. und dann kommt der nächste gute verkäufer mit anderen – möglicherweise entgegengesetzten – ideen und grundsätzen und zieht dich wieder in eine andere richtung. will ich dann selbst etwas tun oder sein oder denken so zieht es mich in verschiedene richtungen. ein gefühl von zerissenheit entsteht. in so einem scenario kann es sein ich ein jegliches unterscheidungsvermögen zu verlieren scheine und darin verunsichert sein könnte was mir gefällt, und was ich gar nicht mag. (textauszug von bruno paul de roeck – gras unter meinen füssen: introjektion).

 

herzlich willkommen